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Kinder vor Gericht - das Recht auf ein Verfahren

Vor dem Gericht
Vor dem Gericht
© UNICEF Ruanda

Ruhirwa, 19, Ruanda

Es ist noch früh am Morgen, als eine Gruppe Jugendlicher in Musanze vor dem Gericht steht und wartet. Die jungen Gefangenen haben endlich einen Termin für eine Gerichtsverhandlung bekommen.

In dieser Gruppe junger Menschen steht auch Ruhirwa. Der neunzehnjährige Mann ist Waise und trägt die Verantwortung für seine drei jüngeren Geschwister. Das Gerichtsurteil wird einen mühseligen und schmerzhaften Abschnitt in seinem Leben endlich zu einem Ende bringen.
«Ich wurde für ein Verbrechen angeklagt, das ich nicht begangen habe», erzählt der Neunzehnjährige. «Ich wurde mit älteren Männern ins Gefängnis gesteckt. Damals war ich sechzehn Jahre alt. Ich bin so dankbar, dass der Richter mich heute endlich anhört.»

Ruhirwa ist eines von 600 Kindern in Ruandas Gefängnissen, die endlich Zugang zu kostenlosen Rechtsberatungen bekommen haben dank einer vom Rechtsministerium initiierten und von UNICEF unterstützten Initiative. In einer Studie wird geschätzt, dass von den 600 Kindern, die zusammen mit Erwachsenen inhaftiert sind, der grösste Teil Buben aus armen Familien sind, welche sich eine Rechtshilfe nicht leisten können. Mehr als die Hälfte dieser Kinder hatte nie ein Gerichtsverfahren und ihre Akte wurde nie geöffnet.

«Diese einwöchige Aktion wurde gestartet, damit den Kindern endlich ihr Recht auf ein faires Verfahren und einen rechtskundigen Beistand gewährleistet wird», sagt UNICEF Kinderschutzexpertin Francesca Morandini. Kinder und Jugendliche, die für Diebstahl bis hin zu Mord angeklagt sind, haben nun endlich Gelegenheit, ihre Sicht auf die Geschehnisse darzustellen.

Während dieser Verfahren wird noch ein weiterer Missstand deutlich: ein Grund, warum manche der Kinder eingesperrt wurden, ist, dass sie keine Möglichkeit haben, ihre Minderjährigkeit auszuweisen. Denn obgleich die Registrierung bei Geburt zu den Grundrechten eines jeden Kindes gehört, leben viele Kinder ohne Geburtsurkunde und sind so von den grundlegendsten Rechten und Dienstleistungen ausgeschlossen. Sie sind stärker in Gefahr, Opfer von Missbrauch oder Kinderhandel zu werden – oder eben mit Erwachsenen zusammen in Haft gesteckt zu werden.
UNICEF setzt sich dafür ein, dass die jungen Leute auch vor Gericht Gerechtigkeit erfahren. «Wir werden nicht aufhören, mit dem Rechtsministerium und NGO`s zusammenzuarbeiten, bis die Kinderrechte hier in Ruanda eingehalten werden», sagt Morandini.