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Kindersoldaten - Kinder im Krieg

Children walk along a street patrolled by United States military forces in the Garmsir Bazaar, in Helmand Province. Gamsir was formerly a major trading centre for opium and weapons, and is currently occupied by military forces.  
 © UNICEF/NYHQ2010-0792/Holt
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Fast 20 Millionen Kinder sind weltweit vor Krieg und Gewalt auf der Flucht. Sie werden verletzt, getötet oder müssen mit ansehen, wie Familienangehörige sterben. Auch Vergewaltigung und Entführung gehören zum Krieg. Krieg und bewaffnete Konflikte machen Kinder aber auch zu Tätern: Rund 250'000 Kinder werden als Kindersoldaten missbraucht. Wenn die Waffen schweigen, hört der Alptraum nicht auf: viele Kinder leiden noch jahrelang unter ihren seelischen Wunden, der schlechten Versorgung und Perspektivenlosigkeit in ehemaligen Krisenregionen. Auch Landminen und nicht explodierte Streumunition sind das tödliche Erbe vieler Kriege.

Kriege und bewaffnete Konflikte treffen heute mehr denn je unschuldige Kinder und hinterlassen in den Seelen der Kinder tiefe Spuren. Allein in den neunziger Jahren kamen zwei Millionen Buben und Mädchen um, sechs Millionen wurden verletzt. UNICEF schätzt, dass in diesem Zeitraum über eine Million Kinder zu Waisen oder von ihren Eltern getrennt wurden. Zwischen 8'000 und 10'000 Kinder sterben weltweit jährlich durch Landminen.

UNICEF Programme in derzeit etwa 30 Kriegs- und Krisengebieten helfen Kindern und Frauen, zu überleben und ein Minimum an Schutz und Versorgung zu fnden.

Am 12. Februar 2002 trat das Zusatzprotokoll  zur UN-Kinderkonvention in Kraft. Es verbietet den Einsatz von Kindern unter 18 Jahren in bewaffnete Konflikte. 139 Länder haben es bis heute ratifiziert darunter auch die Schweiz. Jeweils am 12. Februar erinnert UNICEF am internationalen Tag gegen den Einsatz von Kindersoldaten an die traurige Tatsache, dass Armeen weiterhin Kinder als Soldaten missbrauchen.

Kindersoldaten

Child soldiers, armed with guns, stand in tall grass guarding a road outside a village near the city of Bunia in the eastern region of Ituri.

Bewaffnete Milizen überfallen immer wieder Dörfer, um Kinder als Soldaten zu rekrutieren und sie als Kämpfer einzusetzen. Für die bewaffneten Gruppen sind Kinder eine ideale Verstärkung - oft an vorderster Front. Die Kindersoldaten werden in den Truppen Zeuge unfassbarer Verbrechen. Mit Alkohol oder Drogen gefügig gemacht und müssen sie selbst töten. Kinder werden auch als Träger, Boten oder Köche eingesetzt.

 
Child soldiers, armed with guns, guard a road outside a village near the city of Bunia in the eastern region of Ituri.

Mädchen in den Truppen müssen ständig sexuelle Übergriffe fürchten, Vergewaltigungen oder Zwangsehen mit einem der Anführer sind in den Truppen die Regel. Viele Kinder haben über Jahre keinen Kontakt nach Hause und wissen oft nicht, wo ihre Familie ist und ob sie überhaupt noch lebt. Die Kinder, beraubt um ihre Kindheit, sind grossen psychischen Schwankungen ausgesetzt und traumatisiert. Sie finden nach Jahren des Missbrauches und der Gewalt nur langsam und schwer zurück in einen normalen Lebensalltag.

 
Adolescent boys wearing civilian clothes walk away from the weapons they once carried as child soldiers, during a demobilization ceremony in a transit camp near the town of Rumbek, capital of the province of Lakes in southern Sudan, after being evacuated by UNICEF from a combat zone in a nearby province.

Bei der Rückkehr in ihre Dörfer stellen sie in vielen Fällen fest, dass ihre Familien aus dem verwüsteten Ort geflohen sind. Weil sie als Mörder gelten, sind die Kinder von Angehörigen und Nachbarn zu Hause oft nicht mehr akzeptiert und werden verstossen. Viele lassen sich aus Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung und Angst erneut rekrutieren oder landen auf der Strasse.
Rund 250'000 Kinder werden weltweit als Soldaten missbraucht. Ein aktueller Bericht des UN-Generalsekretärs nennt rund 60 Gruppen in 13 Ländern, die Kinder als Soldaten einsetzen, obwohl internationale Abkommen diese Menschenrechtsverletzung ausdrücklich verbieten.

 

So hilft UNICEF
UNICEF setzt sich beispielsweise im Sudan, in der Zentralafrikanischen Republik, in Tschad und in Kolumbien für die Demobilisierung der Kindersoldaten und deren Wiedereingliederung ein. Betreuung und Bildung soll diesen Kindern einen neuen Anfang ermöglichen.

  • Die befreiten Jungen und Mädchen werden zunächst in Übergangszentren oder Pflegefamilien untergebracht.
  • UNICEF schult Mitarbeiter lokaler Hilfsorganisationen darin, die Kinder zu identifizieren und nach überlebenden Angehörigen zu suchen. Die Helfer vermitteln erste Treffen und helfen, für jedes Kind einen Reintegrationsplan zu entwickeln.
  • UNICEF stattet Schulen mit Material aus, so dass sie zusätzliche Kinder aufnehmen können. Jugendliche können ein Handwerk lernen – zum Beispiel Schneider oder Mechaniker.
Portrait eines ehemaligen Kindersoldaten:
«Sie behandeln mich hier wie ein Kind» >

Sexuelle Gewalt

A girl, 14, stands in the doorway of a UNICEF-supported hospital in the town of Goma, capital of North Kivu Province, where she waits to be examined by doctors. She was raped by a soldier, eventually becoming his 'wife'. She is now receiving medical and psychosocial assistance at a UNICEF-supported reintegration centre for demobilized child soldiers.

Kriege bringen für Mädchen und Frauen besondere Gefahren mit sich denn fast alle bewaffneten Gruppen setzen systematisch Vergewaltigungen ein. Schon sehr junge Mädchen werden – oft vor den Augen ihrer Angehörigen – vergewaltigt. Die Absicht der Kriegsführenden ist es, Familien und Dorfgemeinschaften zu demoralisieren oder für die Unterstützung der Feinde zu bestrafen. Immer wieder werden Mädchen und Frauen verschleppt und über lange Zeit missbraucht – viele kehren nie zurück. Die Überfälle sind häufig so brutal, dass die Mädchen und Frauen schwere innere Verletzungen davon tragen und mehrfach operiert werden müssen. Auch die Gefahr einer HIV-Infektion ist groß. Viele Überlebende sind traumatisiert oder wagen es aus Scham nicht, eine Vergewaltigung öffentlich zu machen. Denn eine missbrauchte Frau gilt häufig als Schande. Dabei brauchen besonders Mädchen, die von einem ihrer Peiniger schwanger geworden sind, dringend Unterstützung. Allein in der Demokratischen Republik Kongo suchten im Jahr 2009 landesweit 18'000 vergewaltigte Mädchen und Frauen Hilfe.

 

So hilft UNICEF
Allein von Januar bis März 2010 hat UNICEF im Osten der Demokratischen Republik Kongo über 4’600 Opfer sexueller Gewalt versorgt.

  • UNICEF hilft, für vergewaltigte Mädchen medizinische und psychosoziale Unterstützung zu mobilisieren, trägt die Kosten für Operationen, hilft bei der Fortbildung der Ärzte und stellt Medikamente zur Verfügung. Dazu gehören auch Tabletten, die nach einer Vergewaltigung das Risiko einer HIV-Infektion deutlich senken können
  • Mobile Teams helfen, auch Opfer in entlegenen Regionen zu erreichen. UNICEF vermittelt psychologische Hilfe, die Mädchen können auch an Bildungskursen teilnehmen oder eine Ausbildung machen.
  • UNICEF stellt den Mädchen und Frauen auch Startpakete mit Handwerkszeug zur Verfügung. So können sie sich wieder eine Existenz aufbauen. In Selbsthilfegruppen unterstützen die Betroffenen sich gegenseitig und bieten anderen eine erste Anlaufstelle.

Gefahr durch Landminen und Streubomben

Seated on a carpet, his hand crutches nearby, 12-year-old Abdul Malik puts on his prosthesis at home in Kabul, the capital. Abdul lost his right leg in a landmine explosion when he was seven. The landmine also killed his nine-year old brother, Mohammad Alam Khan, who brought it home thinking it a toy. The mine exploded while they were playing with it.

In rund 70 Ländern der Erde sind insgesamt rund 160 Millionen Landminen oft Jahre nach einem Krieg eine Gefahr für Kinder und nicht detonierte Streubomben liegen weltweit in über 30 Ländern über all herum. Oft behindert das explosive Erbe des Krieges die Entwicklung über Jahre. Minen verhindern die Rückkehr von Flüchtlingen und blockieren nach dem Ende der kriegerischen Auseinandersetzungen Landwirtschaft und Handel.


 
Using posters, mine awareness workers teach a group of children and women how to recognize and avoid landmines and other unexploded ordnance, in a community centre in the Jabel El Awaliya camp for displaced people, some 40 km south of Khartoum, the capital. The teachers work for the Khartoum-based NGO Friends of Peace and Development (FPDO), which offers risk-awareness training for children in schools and camps for the displaced. UNICEF provides FPDO with equipment and communication materials.

So hilft UNICEF

  • UNICEF hilft beispielsweise im Sudan, in Laos, Afghanistan und im Libanon durch Minenexplosionen verletzten Kindern, ihr Leben auch mit Behinderung zu meistern. Sie erhalten Prothesen oder Rollstühle
  • UNICEF unterstützt zudem Ausbildungsprogramme für Minenopfer
  • In gefährdeten Gebieten fördert UNICEF breite Programme zur Räumung verminter Schulen, Brunnen und Wohngebiete und zur Aufklärung der Kinder über die Minengefahr und schult Lehrer und Schulkinder, sich vor Minenunfällen zu schützen. Zur Aufklärung arbeitet UNICEF mit speziellen Schulbüchern, Handzetteln, Puppentheaterstücken und Radiospots.

 

Jeweils am 4. April findet der «Internationale Tag für die Aufklärung über Minengefahr und die Unterstützung von Antiminenprogrammen» statt.
Lesen Sie hier mehr über die Streubomben-Kampagne von UNICEF.

Unbegleitete Kinder und Waisen

Workers at a UNICEF-assisted child reunification centre in a Kibati camp for the displaced, near Goma, capital of North Kivu Province. The children became separated from their parents during the recent fighting.

Im Krieg werden immer wieder Familien auseinandergerissen. Viele Kinder werden von ihren Familien getrennt, viele wurden zu Waisen. Ohne Schutz durch erwachsene Angehörige sind sie Gewalt und Missbrauch oft hilflos ausgeliefert. Kleine Kinder, die sich nicht selbst versorgen können, geraten bei einer Trennung von den Eltern schnell in Lebensgefahr. Viele Kriegswaisen, vor allem Mädchen, müssen Verantwortung für ihre Geschwister übernehmen und haben keine Chance auf eine Schulbildung.

 
The names of missing children are displayed beneath their photographs in the Abu Shouk camp for displaced people near the city of El Fasher, capital of North Darfur State.

So hilft UNICEF
UNICEF hilft unbegleiteten Kindern, ihre Familie wieder zu finden oder sie bei Bedarf in Pflegefamilien unterzubringen. Dazu richtet UNICEF beispielsweise in Flüchtlingslagern spezielle Anlaufstellen für unbegleitete Kinder ein. Zur Registrierung der Kinder setzt UNICEF Fotos, Videoaufnahmen, Plakate und Datenbanken ein. Bei der Suche nach Angehörigen arbeiten die Helfer mit Dorfkomitees, der Polizei sowie lokalen Organisationen zusammen.


 

Fehlende Schulbildung und zerstörte Schulen

A teacher points to a passage in a book, during a class for girls, at Phool-e-Rangeena Government School in the north-western city of Herat. Like many schools throughout the country, the facility has been overwhelmed with children returning to classrooms after years of conflict. Some 7,000 children attend class in three daily shifts.

Schulgebäude werden im Krieg oft als Unterkünfte für Soldaten zweckentfremdet. Die anhaltende Gewalt führt aber auch dazu, dass Schulen monatelang geschlossen bleiben oder Eltern ihre Kinder aus Angst zu Hause behalten. In Kriegsgebieten fehlt es zudem an Lehrern und Unterrichtsmaterial. Kinder besuchen deshalb oft jahrelang keine Schule. Auch nach einem Friedensschluss dauert es häufig Jahre, bis ein normaler Schulbetrieb wieder möglich ist.

 

So hilft UNICEF

  • UNICEF richtet in Flüchtlingslagern provisorische Zelt- oder Holzschulen ein, stellt Schulmaterial zur Verfügung und bildet Lehrer und Eltern im Umgang mit kriegstraumatisierten Kindern fort. Grundlage für den Unterricht ist häufig die von UNICEF mit entwickelte „Schule in der Kiste“– eine Metallkiste mit Lern- und Unterrichtsmaterial für je 80 Kinder.
  • UNICEF hilft zudem, zerstörte Schulen wieder aufzubauen und sie mit Tafeln, Bänken und Stühlen auszustatten. So erleben die Kinder wieder ein Stück Alltag und Normalität – selbst wenn die Bedingungen noch so improvisiert sind.

Mangel an Nahrung, Wasser und medizinischer Versorung

A girl collects firewood in a Kibati camp for the displaced, near Goma, capital of North Kivu Province.

Im Krieg sind Nahrungsmittel oft nicht mehr zu bekommen und gerade für arme Familien werden Lebensmittel unerschwinglich. Auch die Wasserversorgung ist nicht mehr gewährleistet: In Flüchtlingslagern fehlt es an sauberem Trinkwasser, die hygienischen Verhältnisse sind oft katastrophal und die medizinische Infrastruktur ist ungenügend. Kinder leiden häufig an Durchfall oder infizieren sich mit Cholera oder Masern, Krankheiten, die für geschwächte Mädchen und Buben schnell tödlich enden.

 

So hilft UNICEF

  • In Notsituationen versorgt UNICEF mangelernährte Kinder mit hoch proteinhaltigen Spezialkeksen, Vitamin-A-Kapseln sowie Eisen- und Folsäuretabletten. Zudem unterstützt UNICEF zudem therapeutische Ernährungszentren für schwer mangelernährte Kinder.
  • Mit Hilfe von Tankwagen und Kanistern hält UNICEF in Krisenregionen die Trinkwasserversorgung aufrecht, Familien erhalten zur Wasseraufbereitung Chlortabletten.
  • In Flüchtlingslagern stellt UNICEF Material zum Bau einfacher Latrinen zur Verfügung und informiert Eltern und Kinder über Hygiene. So lassen sich gefährliche Durchfallerkrankungen oder der Ausbruch von Cholera verhindern.
  • UNICEF versorgt Gesundheitsstationen und Krankenhäuser mit Medikamenten gegen Durchfall- und Atemwegserkrankungen, mit Antibiotika, Schmerzmitteln sowie mit Oralem Rehydratationssalz, einer einfachen Zucker-Salz-Mischung gegen die Austrocknung des Körpers bei Durchfall.
  • UNICEF stellt für die Kinder Impfstoffe zur Verfügung und hält die notwendige Kühlkette bis in entlegene Dörfer aufrecht.
  • In Flüchtlingslagern schafft UNICEF Kinderschutzzonen, meist in Zelten. Hier haben die Kinder in geschützter Umgebung Platz zum Spielen und Lernen. Zeichnen, Sport und Gespräche helfen den Kindern, die Erfahrungen von Krieg und Gewalt zu verarbeiten und den Lageralltag für ein paar Stunden hinter sich zu lassen.

Schenken Sie den von Krieg betroffenen Kindern mit Ihrer Spende die Hoffnung auf ein besseres Leben. Vielen Dank.

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